Schuhputzseminar am Samstagabend

Einmal im Monat bittet das Traditions-Schuhhaus Eduard Meier, vormals Königlich Bayerischer Hoflieferant, samstags zum Schuhputzseminar. In Form eines Abendkurses können sich interessierte Teilnehmer in die Kunst der Schuhpflege einführen lassen. Auf der Agenda stehen: Wasserpolitur, Abwaschen von Schneerändern (mit Entsetzen stelle auch ich fest, dass der Winter meine braunen Lieblingsstiefel mit Schneerändern markiert hat), Wildlederpflege, Cordovan-Pflege und Vieles mehr. Nach dem 3- bis 4-stündigen Kurs soll jeder fähig sein, die eigenen Lieblingsschuhe länger „haltbar“ zu machen. Denn nichts ist wichtiger für die Lebensdauer eines Schuhs als die korrekte Pflege, die man genauso erlernen muss wie so Manches im Leben.

Die älteste Schuhmacherei Deutschlands wird in der 13. Generation von den Geschwistern Peter Eduard und Brigitte Meier weitergeführt. Im Brienner Quartier angesiedelt ist sie die noble Münchner Adresse für handgenähte Schuhe und glanzvolle Pflege.

Die silbernen High-Heels

Lisa Zaran’s Shoe Sonnet ist ein Lobgesang an die High-Heels und deren Macht über die Männer. Die silberfarbenen High-Heels werden in ihrem Gedicht zur Waffe der Frau stilisiert, welche als messerscharfe Klingen die Kehle des Mannes und sein Herz durchschneiden können. So wird aus einem Objekt der Begierde für den Mann ein Objekt der Folter. Nicht umsonst heißen sie auch Stilettos, abgeleitet aus dem italienischen Wort für Stichwaffe „Stiletto“. Wie ein kleiner Dolch sind sie immer bereit zum Einsatz.

Shoe Sonnet (Lisa Zaran) 2010

The arches crease. Heels click to break the day.

Fallacy, fallacy, tread marks on clean carpet.

Tonight I shall wear my silver heels.

Mystery will press its lips against mine

as the moon’s articulate eyes will guide me.

Are shoes but an extension of the body?

I have walked in mine through cities and country sides,

in color, in black patent, the horizon

widening before me like an open road.

Fanfare to goggle the eyes, leather to wipe

the blood away, heels sharp enough to cut

a man’s throat. Toes, veering knife points

to slice his heart in half.

© Lisa Zaran 

Ballerinas oder No Ballerinas?

Vor einiger Zeit habe ich einen Schuhladen nahe am Odeonsplatz in München entdeckt. Ich wurde auf den Namen des Ladens aufmerksam: „No ballerinas. Schuhe mit dem gewissen Absatz.“ Der Titel sagt schon alles. Ein Plädoyer gegen Ballerinas und für alles, was eine konsiderable Höhe hat: die High-Heels. Lila beleuchtet stehen die Schuhe mit dem „gewissen Absatz“ in dem Bildregal mit vielen kleinen Kästchen. Im daneben stehenden ebenso lilafarbenen Barocksessel kann man dann die Schuhe auf Alltagstauglichkeit testen. Ein interessantes Ladenkonzept, das bewusst auf Ballerinas und flache Schuhe verzichtet. Das Tragen von High-Heels gleicht für die Eigentümerin, Charlotte Helmig, einer Kampfansage an Ballerinas, welche sie am liebsten in die Ballett-Studios verbannen würde. Die „Schuhe mit dem gewissen Absatz“ sind so nichts weniger als ihr Lebensmotto. Ohne High-Heels geht sie normalerweise gar nicht aus dem Haus. Ballerinas oder No Ballerinas? Eine Glaubensfrage! Im März feiert ihre Schuhboutique ihr einjähriges Jubiläum.

Der Schuhmacher der Clowns

Fotos: Dan Băban

Pünktlich zum Höhepunkt des närrischen Treibens möchte ich einen rumänischen Schuhmacher für Clownsschuhe präsentieren. Der gelernte Schuhmacher Dan Băban aus Bukarest stellt seit vier Jahren im eigenen Atelier bunte Clownsschuhe her. Seine Schuhe werden mittlerweile von den bekanntesten Zirkusmeistern aus der ganzen Welt getragen. Aus buntem Ziegenleder werden die Schuhe in allen möglichen Kombinationen hergestellt. Mit Sternchen oder Herzchen, mit bunten geometrischen Figuren, weiß gepunktet oder mit lila Schleifen (mein Lieblingsstück) sind diese Schuhe ein bunter Märchentraum für Große und Kleine. Kein Wunder also, dass eine rumänische Firma für Kinderfeste der größte Auftraggeber bis jetzt war. Die Kunden kommen aber mittlerweile von überall: Frankreich, Italien, USA, Großbritannien oder Deutschland.

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Im Porträt: Bart Persoons

Foto: Bart Persoons

Über Zehensocken habe ich schon in diesem Blog berichtet. Was ich damals allerdings noch nicht wusste, ist, dass es mittlerweile auch einen etablierten Zehenschuhdesigner gibt, den Flamen Bart Persoons. Seine Zehenschuhe werden manuell von ihm einzeln bemalt oder mit Swarovski-Kristallen verziert. Seine Faszination für Frauenfüße und Zehen spiegelt sich in seinen vielfältigen Schuhkreationen wieder. So wird sichtbar gemacht, was normalerweise in Schuhen bedeckt bleibt: die Zehen. Die Zehen der Frau, die so individuell sind, wie die Frauen selbst. Continue reading

Das ultimative digitale Schuhmuseum 2.0

Fotos: Virtual Shoe Museum 2.0.

Anfang Februar ist das virtuelle Schuhmuseum online gegangen, am 14. Februar soll es dann auch ganz offiziell starten, sieben Jahre nachdem die Gründungsidee von Liza Snook geboren wurde. Ein Museum für Schuh- und Kunstliebhaber, Designer und Aussteller sollte es sein, mit dem Ziel die verschiedenen Interessengruppen miteinander zu verbinden und dabei die Essenz des Schuhwerks immer wieder in Frage zu stellen, nach dem Motto: Ist das noch ein Schuh oder doch schon ein Kunstwerk? Kann man es tragen, oder eignet es sich eher als Ausstellungsstück wie in diesem virtuellen Schuhmuseum? Continue reading

Schuhe als Zeichen des Protests

Was in den arabischen Ländern eine traditionelle Art des Protests darstellt, bekam auch unser Bundespräsident Christian Wulff Anfang Januar zu spüren. „Zeig den Schuh“ war der Name der Aktion, welche die „Creative Lobby of the Future“, eine parteilose Interessenvertretung von Bürgern, initiierte. Der Akt des Schuhzeigens soll Verachtung und Hohn symbolisieren, denn die Schuhsohlen, die den Boden berühren, gelten in der arabischen Welt als äußerst schmutzig. Eine erneute Aktion ist für morgen, den 11. Februar, geplant. Vor ungefähr einem Jahr durfte ein anderer deutscher Politiker die gleiche Behandlung erfahren. Kurz danach ist er gegangen. Dass diesmal auch bald der Abgang kommt, bleibt zu hoffen. Denn die Amtschuhe des Herrn Präsidenten sind längst ausgelatscht.

Im Porträt: Kobi Levi

Fotos: Kobi Levi

Kobi Levi (37) ist ein israelischer freiberuflicher Schuhdesigner, dessen Schuhkreationen angenehm frisch und überraschend wirken. Man hat Schuhe so noch nie gesehen. In seinen Schuhen entdeckt man plötzlich die Zeichentrickfiguren der eigenen Kindheit – Donald Duck, Micky Mouse oder Popeye’s Olive Oyl – schuhtechnisch in die Szene gesetzt. Oder die Kaffeetasse der Großmutter, die in einem weißen Schuh wieder zum Leben erweckt wird. So werden die Bilder meiner Kindheit in das Schuhdesign von Kobi Levi übersetzt. Denn von überall aus der Welt holt Kobi Levi seine Inspiration her. Aus der Natur – wie bei dem gelben bananenförmigen Slipper, der orientalisch angehaucht ist – oder aus der Show-Welt – siehe den Schuh mit dem tollen Namen „Blond + ambition“, der angeblich von Madonna inspiriert ist. So ist jedes Paar Schuhe ein Unikat, es gibt es nur einmal und gleicht einer Skulptur. Die Schuhskulpturen sind aber keineswegs als museale Gegenstände gedacht. Sie sollen durch das Tragen von jeder Frau zum Leben erweckt werden. Lady Gaga hat es auch schon in dem Musikvideo „Born this way“ vorgemacht. Bis sie online oder in Läden zu haben sind, dauert es noch. Die Fan-Community steht jedenfalls schon bereit.

Farbige Schuhtrends Sommer 2012

Foto: DSI

Bei diesen Temperaturen kann man kaum an den Sommer denken oder vielleicht desto mehr ihn herbeiwünschen? So müsste auch das Deutsche Schuhinstitut (DSI) gedacht haben, das letzte Woche in Frankfurt die neuen Schuhtrends für den Sommer präsentierte. Vor allem schön farbig-knallig werden die Sommerschuhe sein: knallpink, gelb, blau, grün oder orange. Wenn man das Jahreskontingent an gekauften Schuhen als Frau noch nicht ausgeschöpft hat (im Durchschnitt 5,8 Paar Schuhe), dann kann man noch welche für den Sommer anschaffen. Wer es aber eher dezent mag, der kann auf pastellige, sanfte Töne zurückgreifen. Auch bei der Form hat man eher die Qual der Wahl, den gibt es nicht die eine Form, die sich durchsetzt. Insgesamt ist der neue Schuhtrend 2012 „demokratisch“ – für jeden etwas dabei, erklärte die Pressesprecherin des DSI, Dr. Claudia Schulz in einem Interview. So setzt die neue Schuhmode auf Vielfalt, Vielfalt in Farben, Formen und Materialien. Jeder kann sich im neuen Modetrend individuell verwirklichen. Was kann man sich mehr für den Sommer wünschen…Vive la liberté!